Noch 7 Tage: Eine Carioca in Berlin

Im Moment geht es uns kaum anders als allen, die in Deutschland gespannt darauf warten, was uns diese WM beschweren wird. Wir wachen auf zu Radionachrichten, nach denen es in Brasilia zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen ist. Sehen Fotos, die einen Eindruck davon vermitteln, wie es aussieht, wenn nicht nur der Staat und seine Bevölkerung aufeinander stoßen, sondern auch Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Und erfahren später im Büro, dass ein Pfeil eines Demonstranten das Bein eines Polizisten durchbohrt hat.

Die in Berlin lebende Claudia Meirelles Hartmann ist von diesen Ereignissen genauso weit entfernt, einerseits. Andererseits verfolgt sie über ihre Social Media-Kanäle sehr aufmerksam, wie sich die Situation gegenwärtig entwickelt. Und was nimmt sie dabei wahr?

Seit Januar haben wir, Christian und ich, bei ihr Portugiesisch-Unterrricht genommen und dabei nicht nur gelernt, wie man sich ordentlich vorstellt – “Eu me chamo Kai e eu sou journalista.”. Sondern auch, warum wir uns besser mit Eisenarsch und Holzgesicht vorstellen sollten. Claudia stammt aus Rio de Janeiro und ist deshalb eine echte Carioca, wie sich die Einwohner Rios selbst nennen. Vor 27 Jahren kam sie in München an und lebt seit 20 Jahren als Lehrerin für Deutsch und Portugiesisch in Berlin. Kommt man in ihre Wohnung, erlebt man ein kleines Stück Brasilien inmitten der Berliner Schnauzigkeit. Bunte Kissen auf dem Sofa, Cachaça im Schrank und im Gesicht ein Strahlen, das einen schier in Verzweiflung treibt, weil man weiß, gleich wieder gestehen zu müssen, nicht zum Lernen gekommen zu sein. “Não tem problema”, antwortet sie dann, schenkt einen Schluck Tee ein und gibt einem das gute Gefühl, dass Wärme keine Frage der Temperatur ist.

Wenn wir mit Freunden in Brasilien sprechen und sie auf unsere Besuche vorbereiten, erfahren wir in diesen Tagen, dass Brasilien einem Herd gleicht, dessen Hitze stetig zunimmt. Und niemand weiß, ob die irgendwann stehen bleibt oder so bedrohliche Ausmaße annimmt, dass sie nicht mehr zu kontrollieren ist. Hier nehmen die Einbrüche zu, dort die Staus und niemand weiß, wer gerade was plant. Für Claudia ist das keine Sache, die allein mit Brasilien zu tun hat. Sie kennt die Ursachen der Unzufriedenheit vieler Brasilianer und hat Verständnis dafür, sie zu artikulieren. Doch an ihre Landsleute hat sie eine Bitte.

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Die Frage, was uns in den kommenden sieben Wochen erwarten wird, kann sie uns auch nicht beantworten. Sie schenkt uns noch eine Tasse ein und bringt uns bei dieser Gelegenheit bei, dass man in Brasilien nie von sich aus nach etwas zu trinken fragt. Eher sitzt man am Tisch und zergeht in verzehrendem Durst, als von sich aus nach Tee zu fragen. Es sind auch diese kleinen kulturellen Unterschiede, denen wir in Brasilien nachgehen wollen. Weil sie viel darüber erzählen, wie Menschen miteinander umgehen und worauf es im Zusammenleben ankommt. Zwei Wochen vor Anpfiff des ersten Spiels ist nur eines gewiss: Claudia ist mindestens so gespannt wie wir.

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Und noch ein kurzer Bericht aus dem Maschinenraum: Bei unserem Partner Torial sprechen wir über die Hintergründe unserer Reise, Dirk von Gehlen hat uns für sein Blog Digitale Notizen nach unseren Erwartungen das Crowd Travelling betreffend befragt. Und auf unserer Paid Wall gibt es nicht nur die ersten Unterstützer, die sich für 10 Euro ein Danke per Video verdient haben (folgt Anfang der kommenden Woche). Es gibt auch schon ein Tänzchen für 50 (das auch) und ein Abendessen für 100 Euro. Mit der Sprachschule Seminar for Advanced English Studies ist bereits der erste Platz in unserer Paid Wall-Galerie vergeben. Und wir wurden sogar schon für 1000 Euro für einen exklusiven Wohnzimmer-Abend gebucht, bei dem wir nach unserer Rückkehr von unserer Reise berichten werden. Wir bedanken uns sehr herzlich bei all unseren Unterstützern. Und sagen: Boa noite. Siehst Du, Claudia, es war nicht alles vergebens.